Wir entwickelten daraufhin eigene Diagnosemuster. Dabei stellte sich schon bald heraus, daß Pilzerkrankungen beim sogenannten CFS nicht nur eine große Rolle spielten, sondern nach unseren Erkenntnissen Pilzsubstanzen sehr wahrscheinlich an den dem CFS vorausgehenden Stadien beteiligt waren, wenn nicht sogar die Grunderkrankung darstellten.
Ebenso konnte festgestellt werden, daß bei den sogenannten Umwelterkrankten, die unter der Bezeichnung MCS (Vielfältige Chemikalienunverträglichkeiten) eingeordnet werden, ebenfalls überwiegend Pilzsubstanzen eine große Rolle spielten.
Da wir bedeutende Zusammenhänge zwischen Pilzerkrankungen und den Krankheitsbildern CFS und MCS feststellen konnten, werden heute in unserer Selbsthilfegruppe Betroffene mit dem Krankheitsbild CFS ebenso betreut wie Betroffene mit dem Krankheitsbild MCS.
Bei dem größten Teil der uns aufsuchenden Betroffenen handelt es sich jedoch - unabhängig von den Krankheitsbildern CFS und MCS - um Pilzerkrankungen unterschiedlichster Genese.
Wir beschäftigen uns in erster Linie mit langjährigen und sehr hartnäckigen Pilzerkrankungen, mit Pilzerkrankungen jenseits der Schleimhautbarriere (Endomykosen) sowie Erkrankungen durch Stoffwechselprodukte von Pilzen oder Toxinen (Mykotoxikosen) und empfehlen zunächst eine gezielte Abklärung.
Die Unkenntnis vieler Therapeuten auf diesem Gebiet führte dazu, daß wir eigene diagnostische und therapeutische Wege gehen mußten, um ganz oder teilweise gesund werden zu können.
Im November 1995 wurde der Selbsthilfegruppe ein Förderverein angegliedert, dessen wesentliche Aufgabe darin besteht, die Öffentlichkeitsarbeit und die Selbsthilfeinitiativen finanziell zu unterstützen. Für einen derzeitigen Jahresbeitrag von 20,00 Euro kann bei uns jeder Mitglied werden, der die Ziele unserer Gruppe unterstützen möchte - unabhängig von eigener Betroffenheit. Unser Förderverein ist gemeinnützig anerkannt. Wir informieren und beraten regional und überregional unter der Anschrift
Als Leiterin dieser Selbsthilfegruppe sind mir Pilzerkrankungen nicht unbekannt. Bevor ich selbst an sogenannten systemischen Pilzerkrankungen (Endomykosen) und Organmykosen erkrankte, lernte auch ich Hautmykosen, Vaginalmykosen, Nagelmykosen, Mykosen des Verdauungstraktes sowie des gesamten Atemtraktes kennen. Es wurde von drei kompetenten, jedoch unabhängig voneinander diagnostizierenden Spezialisten die Diagnose CFS gestellt. Durch ungünstige Arbeitsplatzbedingungen in Verbindung mit ungeeigneten Medikationen entwickelte sich dann letztendlich noch das sogenannte MCS, ebenfalls von Spezialisten diagnostiziert und bestätigt.
Berlin, im September 1997 Ch. Schröder
Und so fing unsere Arbeit an ...
Viele Betroffene mit sogenannten Candida-Mykosen suchten bereits unsere Gruppe auf. Auch ich war damals noch der Meinung, selbst an einer Candida-Mykose erkrankt zu sein. Zahlreiche Besuche bei Ärzten aller Fachrichtungen hatten die Betroffenen hinter sich, bevor sie von unserer Selbsthilfegruppe hörten. Viele unterschiedliche Diagnosen, immer wiederkehrende Pilzinfektionen in den unterschiedlichsten Bereichen (Genitalbereich, Haut, Verdauungstrakt, Atemtrakt, Nagelpilze, Fußpilze), aber auch zahlreiche Medikationen unterschiedlichster Art (Antimykotika, Nosoden, Bioresonanz, Hydro-Colon-Therapie, Autovaccine u. a.) - aber nichts hatte auf Dauer Erfolg. Die Pilze kamen immer wieder.
Ich fing an, in Einzelgesprächen mit den Betroffenen gründliche Anamnesen zu erheben und in Verbindung mit meiner eigenen Krankengeschichte studienmäßig Dinge zusammenzutragen, die zu einem besseren Verständnis über diese Erkrankung sowie zu geeigneteren und differenzierteren Diagnoseverfahren führen sollten. Schließlich hatten viele Betroffene schon einen langen Leidensweg hinter sich, waren auf viel Unverständnis bei Therapeuten gestoßen und mußten sich vielfach als Hypochonder oder psychisch krank einstufen lassen. Die meisten waren am Ende ihrer Kräfte: Müdigkeit, Magen-Darm-Probleme, Herzbeschwerden, Muskelschmerzen, Gelenkbeschwerden, rheumatische Beschwerden, Vergeßlichkeit, Antriebslosigkeit, Konzentrationsstörungen, Juckreiz, Ekzeme, ständiges Frieren, Absterben der Gelenke, Infektanfälligkeit und vieles mehr ...
Sollte wirklich nur ein an sich harmloser Hefepilz namens Candida albicans für all diese Symptome verantwortlich sein? Mir kamen Zweifel! Ich fing an, nach anderen Möglichkeiten zu suchen - und fand sie:
Zunächst begann ich, die am häufigsten in der Praxis angewandten Diagnoseverfahren für Candida albicans miteinander zu vergleichen. Sie widersprachen sich erheblich. Aber mit zwei Werten konnte doch etwas ziemlich zuverlässig nachgewiesen werden - nur die Interpretation entsprach nicht den üblichen Gegebenheiten. HAT (Hämagglutinations-Hemmungstest) und IFT (Immunfluoreszenztest) waren allein nicht verwertbar, jedoch im Zusammenhang recht aussagefähig - aber nicht so sehr für Candida-Mykosen, sondern für eine völlig andere Art der Pilzerkrankungen: Schimmelpilze.
Hefepilze als äußerliches Kennzeichen für eine sich vermutlich dahinter verbergende Schimmelpilzproblematik! Damals erschreckte mich dieser Gedanke sehr. Heute habe ich gelernt, damit umzugehen. Ich habe diese Richtung weiter verfolgt. Seitdem unterzogen sich ca. 600 Betroffene den von uns vorgeschlagenen Untersuchungen.
Immer das gleiche Ergebnis:
Nicht Candida, sondern Erkrankungen durch Schimmelpilze.
Vieles hat sich seitdem verändert. Aus anfänglicher Skepsis entwickelte sich durch ständiges Dazulernen - in erster Linie anhand von Kasuistiken - eine gewisse Routine. Es war nicht leicht, Ärzten verständlich zu machen, daß wir es hier mit einer ganz anderen Materie zu tun haben, etwas, wovon die meisten noch nie etwas gehört hatten. Aber die Erfahrungen und letztendlich auch die Erfolge der von mir anhand meiner eigenen Erkrankung entwickelten Therapien gaben uns bisher recht. Ich bin weder Ärztin noch Heilpraktikerin. Alle folgenden Informationen ergeben sich aus den Erfahrungen mit der eigenen Erkrankung sowie den Erfahrungen aus der Gruppenarbeit und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Zur Abklärung und Differenzierung ähnlicher Krankheitsbilder sowie bei langjährigem und immer wiederkehrendem Pilzbefall sollte differentialdiagnostisch abgeklärt werden im Hinblick auf
Zunächst empfehlen wir den Betroffenen, sich einer gründlichen und zuverlässigen mikrobiologischen Stuhluntersuchung zu unterziehen, bei der es vor allem darum geht, pathologische Fehlbesiedlungen im Darm zu erkennen sowie den Zustand der Darmflora allgemein abzuklären. Hieraus können nach unseren Erfahrungen in Verbindung mit der Anamnese schon deutliche Hinweise auf die eigentliche Erkrankung gewonnen werden.
Zur Abklärung sogenannter "Infekt-Allergien" könnte zusätzlich durch einen auf diesem Gebiet erfahrenen Allergologen ein Intrakutantest durchgeführt werden. Dieser "Allergietest" ist auswertbar wie z. B. ein Multimerieuxtest und kann zur Unterscheidung zwischen Allergie und Infektion beitragen. Bei begründetem Verdacht und bei langjährigen Pilzerkrankungen empfehlen wir darüberhinaus eine serologische Untersuchung, die z. Z. leider nur in einem Privatlabor ausssagefähige Befunde ergibt und von den Krankenkassen auf Empfehlung des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen bedauerlicherweise noch immer nicht oder nur zum Teil getragen wird, obwohl andere auf dem Markt befindliche Verfahren bei der Diagnostik dieser Erkrankung regelmäßig versagen.
Bei schweren Krankheitsbildern erscheinen im Einzelfall noch weitere serologische Untersuchungen sinnvoll. Diese können sich z. B. beziehen auf
Auch bildgebende Verfahren sind bei bestimmten Krankheitsverläufen als durchaus sinnvoll anzusehen.
Die in unserer Selbsthilfegruppe praktizierten Therapien richten sich im wesentlichen nach dem Schweregrad der Erkrankung. Die folgende Aufzählung gibt einen Überblick über die von unserer Selbsthilfegruppe empfohlenen Therapiemöglichkeiten:
Neben der Sanierung des gesamten Umfeldes steht vor allem eine gezielte Ernährungsumstellung im Vordergrund. Hierbei handelt es sich nicht um eine "Diät" herkömmlicher Weise, sondern vielmehr um eine vorübergehende Meidung der Substanzen, an denen man erkrankt ist. Vielen fällt es zunächst schwer, sich an gewisse Einschränkungen zu halten. Oft besteht der Fehler darin, daß zu früh angenommen wird, man sei wieder gesund. Oft liegt das Problem jedoch lediglich am Umgang mit den Nahrungsmitteln, an der Bequemlichkeit, selbst Mahlzeiten zuzubereiten oder ganz einfach daran, daß man aufgrund vorangegangener zahlreicher Diäten, die keinen Erfolg zeigten, nicht mehr gewillt ist, etwas anderes "auszuprobieren."
Diese empfohlene Ernährungsform soll gleichzeitig dazu beitragen, die Darmflora unterstützend mit aufzubauen. Listen von Nahrungsmitteln, die man essen kann oder nicht, sind nach unseren Erfahrungen bei Pilzerkrankungen kaum pauschal anwendbar, da die Nahrungsmittel selbst ständig unterschiedlichen Belastungen ausgesetzt sind und auch die Produktionsverfahren ständig variieren. Es ist deshalb wichtig, daß die Betroffenen lernen, sich auf bestimmte Faktoren zu konzentrieren, denn der Blumenkohl vom Händler A kann eventuell verzehrt werden, während der Blumenkohl vom Händler B für Betroffene ungeeignet ist und beim Verzehr schwere Krankheitssymptome hervorrufen kann.
Die Ernährungsumstellung wird nach folgenden Richtlinien empfohlen:
Zunächst wird den Betroffenen eine Liste ausgehändigt, die dazu dient, sich mit der Materie besser vertraut zu machen, beim Einkaufen verstärkt auf Inhaltsstoffe zu achten und zum Fragen anzuregen. Denn nur der kann auf Dauer lernen, mit der Erkrankung umzugehen, dem es möglich war, das Wesentliche zu erfassen und der in der Lage ist, selbständig die Nahrungsmittel nach bestimmten Kriterien zu beurteilen. Ein stures Anwenden anhand von Nahrungsmittellisten führt hier nicht zum Erfolg und ist deshalb abzulehnen.
Die meisten Lebensmittel unterliegen ständigen Veränderungen durch Zusatzstoffe oder Produktionsprozesse. Es ist deshalb wichtig, sich immer wieder neu zu orientieren. Die folgenden Nahrungsmittelempfehlungen sollten in den täglichen Speiseplan nach und nach mit eingearbeitet werden. Die in Klammern angegebenen Produkte haben sich nach unseren Erfahrungen beim Einstieg in die Ernährungsumstellung als außerordentlich günstig erwiesen.
Wesentliche Unterstützung finden die Betroffenen in der begleitenden Gruppenarbeit. Neben den Gesprächsgruppen werden insbesondere in Form eines Animationsprogramms unterstützende Maßnahmen angeboten, die sich z. B. auf das Erlernen neuer Zubereitungstechniken, das Erkennen ungeeigneter Nahrungsmittel, das Einüben geeigneter krankengymnastischer Übungen oder auf Übungen zur Förderung der Grob- und Feinmotorik sowie der Konzentration beziehen. Auch vor dem Versuch, den Betroffenen aus der oft schon unbewußt sich selbst geschaffenen Isolation herauszuhelfen, schrecken wir nicht zurück.
Mit unserem Konzept konnten wir schon vielen Betroffenen helfen, jedoch nur denjenigen, die gewillt waren, ihr weiteres Leben neu zu ordnen, umzuorganisieren und wieder selbst in die Hände zu nehmen, die in der Lage waren, als mündiger Patient aufzutreten, bereit waren, gewisse Einschränkungen im Interesse ihrer Gesundheit vorübergehend oder auch dauerhaft voll zu akzeptieren, ohne darunter zu leiden, und denen die Wiedererlangung ihrer Gesundheit oder eines Teils davon wichtiger war als die eigene Bequemlichkeit.
Der von uns beschrittene Weg ist nicht einfach. Er erfordert sehr viel Geduld. Es wird auch Rückschläge geben und unter Umständen auch unschöne Auseinandersetzungen mit Ärzten und Institutionen, denen diese Materie einfach fremd ist. Aber es ist zu schaffen. Viele Betroffene, die diesen Weg gingen, halten uns auch heute noch die Treue, obwohl es ihnen gesundheitlich deutlich besser geht und sie eigentlich von Krankheiten nichts mehr wissen wollten. Die vielen positiven Erfahrungen und Reaktionen, die mich täglich erreichen, geben auch mir als Selbstbetroffene die Kraft, in dieser Sache weiterzumachen in der Hoffnung, anderen Dinge zu ersparen, denen ich mich aufgrund schwerster Erkrankungen nicht entziehen konnte.
Anfang 1996 wurde bei einer Routineuntersuchung "Candida albicans" im Vaginalbereich festgestellt. Man behandelte mich wegen der Hartnäckigkeit mehrmals mit unterschiedlichen systemisch wirkenden Antimykotika. Als die Pilzbesiedlung nach jeder erfolgten Behandlung stärker wurde, begann ich, nach anderen Möglichkeiten zu suchen und wandte mich im Sommer 1996 an die Selbsthilfegruppe für Pilzerkrankungen.
Meine wesentlichen Beschwerden konzentrierten sich damals auf Fußpilz, Nagelpilz, Pilze im gynäkologischen Bereich, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Muskelschmerzen, Gelenkbeschwerden, Frieren, "Absterben" der Fingerendglieder, Infektanfälligkeit, Augenentzündungen sowie Magen-Darm-Probleme.
Anhand einer mikrobiologischen Stuhluntersuchung wurde das Fehlen von Lactobazillen festgestellt sowie eine erhebliche Fehlbesiedlung des Darmtraktes mit den pathologischen Keimen E. coli, Clostridium diff. und Klebsiella pneu.
Die serologische Untersuchung zeigte stark erhöhte toxische Werte im Bereich der Schimmelpilze. Durch eine daraufhin erfolgte Wohnraumbegehung konnte eine erhebliche Wohnraumbelastung durch Mykotoxine festgestellt werden. Mir wurde von der Selbsthilfegruppe vorgeschlagen, wie folgt zu handeln:
Im September 1996 bezog ich eine andere Wohnung. Seit Januar 1997 geht es mir fortlaufend besser. Muskel- und Gelenkbeschwerden sind verschwunden. Die neurologische Problematik besserte sich zusehends. Schleimhautbesiedlungen mit Pilzen sind bisher nicht wieder aufgetreten. Die befallenen Fußnägel wachsen inzwischen gesund nach. Positive Darmbakterien konnten inzwischen wieder angesiedelt werden, jedoch noch nicht ausreichend, so daß 1 Präparat noch für längere Zeit erforderlich sein wird. Die Ernährungsumstellung habe ich als so positiv empfunden, daß ich von mir aus nicht mehr darauf verzichten möchte. Ich kann inzwischen zwar alles wieder in Maßen essen, ohne Krankheitszeichen zu verspüren, habe mich jedoch entschlossen, weiterhin die schädigenden Stoffe zu meiden.
Kommentar: Hinter langjährigem Leiden an Fuß- und Nagelpilzen konnten wir bisher immer das Vorliegen einer Endomykose (Pilzerkrankung jenseits der Schleimhautbarriere) feststellen, die aufgrund ungeeigneter Testverfahren nicht rechtzeitig erkannt worden war. Vaginalmykosen sind nach unseren Erfahrungen sekundäre Erkrankungen aufgrund eines stark geschwächten Abwehrmechanismus im Darmbereich, bei dem es häufig nach Antibiotika- und Antimykotikagabe zu oft erheblichen bakteriellen Fehlbesiedlungen kam. Bei rechtzeitigem Aufbau der Darmflora könnten diese Sekundärinfektionen weitestgehend vermieden werden. Ohne antimykotische Behandlung und lediglich durch Einsatz von Lactobazillen im Darm- und Vaginalbereich sind jedoch auch diese Pilzerkrankungen gut zurückbildbar.
Nach 2 Jahren intensivster Antipilz-Behandlung waren erste Zysten sichtbar. Man behandelte mit einem Antibiotikum und zusätzlich mit systemischen Antipilzmitteln wie Diflucan, Sempera, Ampho moronal.
Bei weiteren gynäkologischen Untersuchungen fand man einen stark vergrößerten Uterus mit Verdickungen sowie ein Myom von 6 cm Durchmesser. Die Pilze wurden immer mehr und hatten sich inzwischen auch auf den Magen-Darm-Trakt ausgebreitet. Ich litt unter Antriebsschwäche, Müdigkeit und Vergeßlichkeit, ohne daß jemand Ursachen dafür finden konnte. Letztendlich gab es für die Ärzte nur noch psychische Ursachen und man stellte die Diagnose Paranoia mit hypochondrischem Wahn.
Im Februar 1994 wandte ich mich an die Selbsthilfegruppe für Pilzerkrankungen. Dort empfahl man mir zunächst eine mikrobiologische Stuhluntersuchung, die folgendes Ergebnis zeigte:
Man empfahl mir eine Behandlung nach folgendem Schema:
Nachdem sämtliche Untersuchungen auf Durchfallerreger negativ ausfielen, wurde vor vier Jahren die 1. Stuhluntersuchung auf Pilze durchgeführt. Man fand eine erhebliche Darmbesiedlung mit dem Hefepilz "Candida albicans" und verordnete für längere Zeit Nystatin. Aber spätestens drei Wochen nach Absetzen des Medikaments waren die Pilze wieder da, und auch die Magenschmerzen setzten erneut ein. Ständige Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen und eine sich verstärkende neurologische Problematik ließen mich an das CFS (Chronische Müdigkeitssyndrom) denken. So nahm ich Kontakt zur Selbsthilfegruppe auf.
Im Vordergrund stand eine mikrobiologische Stuhluntersuchung, bei der zum Ausdruck kam, daß positive Darmbakterien überhaupt nicht nachweisbar waren. Als pathologische Keime fand man Clostridium diff., E. coli, Citrobacter und Helicobacter pyl. Durch eine gezielte serologische Untersuchung auf Aspergillus und Candida albicans konnte eine hohe Mykotoxinbelastung nachgewiesen werden. Ein stark geschwächtes Immunsystem war ebenfalls erkennbar, so daß es zunächst darum gehen sollte, die stark abwehrgeschwächte Darmflora wieder aufzubauen, um weitere Toxineinschwemmungen so gut wie möglich zu verhindern.
Die Therapie bestand aus
Am schwersten fiel es mir jedoch, meine Wohnung aufzugeben. Aber auch darüber bin ich heute froh, denn meine Belastbarkeit ist deutlich gestiegen, und ich muß kaum noch Einschränkungen in Kauf nehmen. Allerdings meide ich bewußt toxisch belastete Räume; denn ganz zurückbilden konnte ich diese Problematik noch nicht. Es sind eben kleine Schritte, die man gehen muß. Man muß einfach akzeptieren, daß ein jahrelanger Krankheitsverlauf nicht plötzlich verschwinden kann. Es erfordert viel Geduld. Man sollte aber dabei auch nicht vergessen, wie schlecht es einem vorher ging, ehe dieser andere Weg eingeschlagen wurde.
An drei weiteren Kasuistiken soll verdeutlicht werden, mit welchen Schwierigkeiten gerechnet werden muß, wenn zunächst harmlose Schleimhautbesiedlungen mit Hefepilzen als pathogen eingestuft werden oder die vorhandenen Symptome nicht eingeordnet werden konnten.
Im September 1989 erkrankte sie an einer fieberhaften Angina mit einseitig geschwollenen Lymphdrüsen. Deutlich sichtbar war ein grün-braunes Sekret im gesamten Mund- und Rachenraum. Behandelt wurde mit Tetracyclinen sowie aufgrund der Beläge präventativ mit einem lokal wirkenden Antimykotikum.
Im November 1989 kam es zu Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, Kreislaufbeschwerden, Blutdruckveränderungen mit Tendenz zu erhöhtem Blutdruck. Grenzwertige Langzeitblutdruckmessungen führten zur Dauermedikation mit einem blutdrucksenkenden Mittel.
Im Januar 1990 kamen Atemprobleme hinzu. Es bestand ein Einengungsgefühl im Kehlkopfbereich, verbunden mit einer chronischen Bronchitis, so daß Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung geäußert wurde. Endokrinologische Untersuchungen zeigten vorübergehend Werte im Sinne einer Hashimoto-Thyreoiditis. Man behandelte mit L-Thyroxin.
Im Mai 1990 begannen gynäkologische Probleme. Es kam zu unregelmäßigen Monatsblutungen, Ausfluß, einseitigen Schmerzen. Mikroskopisch wurden Hefepilze festgestellt. Man behandelte zunächst mit Vaginalzäpfchen und anschließend mehrmals mit einem systemischen Antimykotikum. Der Zustand besserte sich nicht. Daraufhin eingeleitete endokrinologische Untersuchungen führten zu keinem positiven Ergebnis. Das Krankheitsbild wurde somit unter "Wechseljahrsbeschwerden" eingeordnet und der Patientin eine psychosomatische Behandlung empfohlen.
Im Juli 1990 traten Magen- und Darmprobleme auf, jeweils mit einseitigen starken Schmerzen, teilweise Krämpfen. Magen- und Darmspiegelungen zeigten keine pathologischen Veränderungen.
In den Folgejahren verstärkten sich die Beschwerden. Es kam immer wieder zu Schmerzzuständen ungeklärter Ursache, rheumatischen Beschwerden bei negativem Rheuma-Faktor, Atembeschwerden, Schwindelanfällen, Kopfschmerzen, grippeähnlichen Erkrankungen ohne Fieberanstieg, hormonellen Störungen, Durchfall, Blähungen, Verstopfung, Muskelschmerzen, Bewegungseinschränkungen, neurologischen Problemen wie Vergeßlichkeit, Konzentrationsschwäche, Orientierungslosigkeit, Aufmerksamkeitsstörungen, teilweise Verwirrtheitszuständen bis hin zu Bewußtseinsstörungen und komaartigen Einschlafattacken.
Begleitet wurden all diese Krankheitszeichen durch ständig rezidivierende Pilzerkrankungen, die sich in den kulturellen Bestimmungen als Candida albicans diagnostizieren ließen und jahrelang mit lokal und systemisch wirkenden Antimykotika behandelt wurden, wobei es zunächst geringfügige Besserungen gab, später jedoch nicht mehr.
Mit den bis zu diesem Zeitpunkt durchgeführten Untersuchungen in Form umfangreicher Apparatemedizin sowie serologischer Untersuchungen war das Krankheitsbild nicht einzuordnen, so daß die Patientin letztendlich als psychisch krank eingestuft wurde und als austherapiert galt.
Im August 1995 nahm diese Betroffene Kontakt zur Selbsthilfegruppe auf. Es wurde eine mikrobiologische Stuhluntersuchung empfohlen, die zu folgendem Ergebnis führte:
| Aspergillus IgA | 5 | < 30 |
| Aspergillus IgG | 678 | < 1000 |
| Aspergillus IgM | 134 | < 20 |
Die Negativwerte im IgA-Bereich bestätigten die pathologischen Verhältnisse im Darm, zeigen jedoch auch, daß hier endotoxische und zytotoxische Auswirkungen der Erreger eine Rolle spielen, die zu einer mykotoxischen Potenzierung im IgG-Negativbereich beitragen.
Die stark erhöhten IgM-Werte gaben Anlaß zu gezielten viralen Bestimmungen. Es wurden spezifische Immunglobuline bestimmt für Epstein-Barr-Virus = EBV (EBNA und Anti-EA), CMV (Cytomegalie-Virus), Mumps und HHV 6 (Humanes Herpes-Virus VI). Stark erhöhte Titer fanden sich bei CMV, HHV 6 und Mumps. Eine akute Epstein-Barr-Virus-Infektion war deutlich erkennbar.
Nach entsprechender Darmsanierung, zusätzlichem Einsatz eines Enzympräparates sowie weiterer von der Selbsthilfegruppe empfohlener Therapien (siehe vorherige Ausführungen) geht es der Patientin inzwischen deutlich besser, und sie hat gute Aussichten, wieder gesund zu werden.
Die bisher aufgrund diverser Fehlinterpretationen erfolgte Medikation konnte sinnvoll abgebaut werden. Es werden keine weiteren Medikamente mehr benötigt.
Es folgten diverse Magen- und Darmspiegelungen, jeweils ohne positiven Befund. Wegen des Verdachts einer bakteriellen Erkrankung verabreichte man Antibiotika unterschiedlichster Art, die lediglich vorübergehend zu einer leichten Besserung führten. Bei Verdacht auf Azidose wurden jahrelang Säureblocker eingesetzt sowie eine entsprechende Diät empfohlen. Beides brachte keine Besserung.
Ab April 1993 fand man in Stuhlproben immer wieder vereinzelt Kolonien von Candida albicans und behandelte mit einem lokal wirkenden Antimykotikum. Ständig rezidivierender Pilzbefall der Schleimhäute führte schließlich zum Einsatz systemisch wirkender Amtimykotika unterschiedlichster Art, ohne daß positive Erfolge verzeichnet werden konnten.
Seit 1994 litt diese Betroffene nicht nur an der ursprünglichen Magen-Darm-Problematik, sondern zusätzlich unter Herzattacken, Schwindelanfällen, mangelnder Belastbarkeit, Antriebslosigkeit, Angstzuständen, Depressionen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten sowie ständiger Gewichtsabnahme ohne erkennbaren Grund.
Im November 1995 nahm sie Kontakt zur Selbsthilfegruppe auf. Eine mikrobiologische Stuhluntersuchung führte zu folgendem Ergebnis:
| Aspergillus IgA | 3 | < 30 |
| Aspergillus IgG | 4283 | < 1000 |
| Aspergillus IgM | 12 | < 20 |
Das deutlich erniedrigte IgA entsprach dem pathologischen Stuhlbefund. Die IgM-Werte befanden sich im Normbereich, so daß virale Belastungen weitgehend ausgeschlossen werden konnten. Die stark erhöhten IgG-Werte zeigten jedoch ein hohes toxisches Geschehen mit Verdacht auf Tumorbildung, was sich dann auch bestätigte.
Im Vordergrund stand der Einsatz hochdosierter Enzymgaben. Zur Beseitigung der Darmproblematik wurde ein E. coli-Präparat eingesetzt. Wegen der Magenbeschwerden war zusätzlich über einen längeren Zeitraum ein Präparat mit Lactobazillen erforderlich, das gleichzeitig die Übersäuerung hemmte.
Nach einer Behandlungszeit von ca. 1 Jahr waren weder Magengeschwüre noch Befall mit Helicobacter pyl. feststellbar. Sämtliche Magenmittel konnten abgesetzt werden. Die Beschwerden sind fast verschwunden. Es bestehen lediglich noch leichte Nahrungsmittelunverträglichkeiten, die jedoch bei weiterem Einhalten unserer Ernährungsempfehlungen ebenfalls bald der Vergangenheit angehören dürften.
Im Jahre 1992 erlitt die Patientin einen schweren grippeartigen Infekt mit Engegefühl im Kehlkopfbereich sowie Erstickungsanfällen, wodurch eine wochenlange Antibiotikatherapie erforderlich wurde. Zusätzlich wurden Antihistaminika eingesetzt. Es folgte ein weiterer Hörsturz. Der Hausarzt verweigerte weitere Behandlungen und ordnete die Betroffene unter "psychisch krank" ein.
Daraufhin suchte die Patientin einen Heilpraktiker auf, der mit Bioresonanz, Hydro-Colon-Therapie, EAP und sonstigen Methoden versuchte, diese Erkrankung zum Stillstand zu bringen, jedoch ebenfalls ohne Erfolg.
Die Betroffene befindet sich seit Ende 1994 in der Selbsthilfegruppe. Eine mikrobiologische Stuhluntersuchung führte zu folgendem Ergebnis:
| Aspergillus IgA | 21 | < 30 | Candida alb. IgA | 15 | < 60 |
| Aspergillus IgG | 585 | < 1000 | Candida alb. IgG | 11360 | < 500 |
| Aspergillus IgM | 11 | < 20 | Candida alb. IgM | 8 | < 50 |
Diese Betroffene litt an einer bronchopulmonalen Aspergillose, die zusätzlich über pathogene Darmbakterien getriggert wurde. Auslöser fanden wir in der Wohnung der Betroffenen. Nach Sanierung des Umfeldes, Einsatz eines Enzympräparates, Einsatz darmsanierender Medikamente sowie konsequenter Ernährungsumstellung konnten die Asthmaanfälle zurückgebildet werden. Cortisonhaltige Medikamente sind nicht mehr erforderlich. Durchfälle treten nicht mehr auf. 1- bis 2mal jährlich werden noch leichte Hustenattacken beobachtet, die jedoch keine Medikation erforderlich machen.
Man sollte sich fragen:
Wir werden als Selbsthilfegruppe diesen Dingen weiter auf der Spur bleiben und nicht aufhören, nach Möglichkeiten zu suchen, die geeignet sind, Betroffenen aus der Pilzproblematik herauszuhelfen. Wir werden aber auch nicht aufhören, wissenschaftlich arbeitenden Institutionen sowie Krankenkassen und den Medizinischen Dienst auf diese Mißstände hinzuweisen, unsere Erfahrungen mit Pilzerkrankungen näherzubringen und auf ein Umdenken in Diagnostik und Therapie hinzuwirken. Dazu brauchen wir die Unterstützung vieler Betroffener. Wir hoffen, mit diesem Kapitel einen kleinen Einstieg in eine etwas andere Pilzproblematik geschaffen zu haben und sind sicher, daß der eine oder andere Betroffene daraus seine Konsequenzen ziehen wird.
Tel.: 030-7231891 Fax: 030-72322710